Recherche-Anleitung

Marktwert-Check

Bevor man in ein Gehaltsgespräch geht, braucht man Daten. Öffentlich zugängliche Gehaltsportale liefern diese Daten, wenn man weiß, wie man sie liest.

Warum Marktdaten im Gespräch so wichtig sind

Ein Gehaltsgespräch ohne Vergleichsdaten ist ein Gespräch auf Basis von Meinungen. Beide Seiten haben eine Vorstellung vom "richtigen" Gehalt, aber keine gemeinsame Grundlage. Wer Marktdaten mitbringt, wechselt von der Meinungsebene auf die Sachebene.

Das verändert die Gesprächsdynamik erheblich. Es geht nicht mehr darum, ob man "genug" verdient, sondern ob das eigene Gehalt dem entspricht, was der Markt für vergleichbare Positionen zahlt. Das ist eine andere, sachlichere Frage.

Person analysiert Gehaltsdaten auf einem Bildschirm
Quellen

Öffentlich zugängliche Gehaltsportale

Die folgenden Quellen sind kostenlos zugänglich und enthalten Daten zu einer Vielzahl von Berufen und Regionen. Keine dieser Quellen ist perfekt, aber in Kombination liefern sie ein belastbares Bild.

Gehalt.de

Eines der größten deutschen Gehaltsportale mit Daten zu Tausenden von Berufsbezeichnungen. Filtermöglichkeiten nach Branche, Region, Erfahrung und Unternehmensgröße. Daten basieren auf Selbstauskünften von Nutzern.

Nützlich für: Branchenüberblick und Berufsbezeichnungsvergleiche

Stepstone Gehaltsreport

Stepstone veröffentlicht regelmäßig Gehaltsreporte für verschiedene Branchen und Berufsgruppen. Diese Reports sind methodisch solider als reine Nutzerdaten, da sie auf Stellenanzeigen und Bewerberdaten basieren.

Nützlich für: Aktuelle Marktpreise für ausgeschriebene Stellen

Kununu Pay Insights

Kununu ist eine Arbeitgeberbewertungsplattform, die auch Gehaltsdaten erhebt. Besonders wertvoll: Daten sind oft unternehmensspezifisch, sodass man sich über das Gehaltsband beim eigenen Arbeitgeber informieren kann.

Nützlich für: Unternehmensspezifische Gehaltsvergleiche

Bundesagentur für Arbeit

Die Entgeltatlas-Datenbank der Bundesagentur für Arbeit basiert auf offiziellen Sozialversicherungsdaten und ist damit methodisch am zuverlässigsten. Daten sind nach Beruf, Region und Beschäftigungsgrad filterbar.

Nützlich für: Amtliche Referenzdaten mit hoher Glaubwürdigkeit

Schritt für Schritt

So recherchieren Sie Ihren Marktwert

1

Berufsbezeichnung präzisieren

Suchen Sie nicht nach Ihrer Stellenbezeichnung im eigenen Unternehmen, sondern nach der marktüblichen Bezeichnung für Ihre Tätigkeit. "Sachbearbeiter Buchhaltung" und "Buchhalter" können dasselbe bedeuten, liefern aber unterschiedliche Ergebnisse. Probieren Sie mehrere Varianten.

2

Region richtig setzen

Gehälter unterscheiden sich regional erheblich. Hamburg und München liegen typischerweise über dem Bundesdurchschnitt. Vergleichen Sie immer mit der Region, in der Sie arbeiten, nicht mit dem Bundesdurchschnitt. Manche Portale erlauben PLZ-basierte Suche.

3

Median statt Durchschnitt lesen

Viele Portale zeigen einen Durchschnittswert, der durch Ausreißer nach oben verzerrt sein kann. Der Median (die Mitte der Verteilung) ist aussagekräftiger. Wenn ein Portal beide Werte zeigt, verwenden Sie den Median als Referenzpunkt.

4

Mehrere Quellen vergleichen

Keine einzelne Quelle ist vollständig. Recherchieren Sie in mindestens zwei bis drei Portalen und notieren Sie die Bandbreite. Wenn mehrere Quellen einen ähnlichen Bereich zeigen, ist das ein belastbares Argument.

5

Daten dokumentieren

Halten Sie Ihre Rechercheergebnisse schriftlich fest, inklusive Quelle und Abrufdatum. Sie müssen die Daten nicht im Gespräch vorlegen, aber die Möglichkeit dazu stärkt Ihre Position. Im Seminar erarbeiten wir, wie man Marktdaten im Gespräch einbringt.

Recherche ist der erste Schritt

Die Daten zu haben ist eine Sache. Sie im Gespräch richtig einzusetzen ist eine andere. Im Seminar üben wir beides.